Martin Liebl – Kein Hochzeitsfotograf | Dokumentarische Fotografie auf Hochzeiten | München & anderswo

Diana & Michael – Budapest

Martin Liebl | Dokumentarische Fotografie auf Hochzeiten | München & anderswo. Budapest. No wedding photographer. Documentary photography at your wedding.


Diana & Michael – Budapest

Oktober 2018

Für eine Hochzeit gebucht werden, weil die Reportage-Fotos eines Hardcore/Metal-Konzerts dem zukünftigen Hochzeitspaar so gut gefällt? Ist wohl eher selten, aber genau wegen solcher Bilder fragten mich Diana und Michael, ob ich ihre ungarisch-schweizerische Hochzeit in Budapest festhalten möchte. Die beiden sprach besonders das Dokumentarische in meinen Bildern an, in ihren Augen hatte ich Atmosphäre und Stimmungen eines sehr lauten Abends treffend eingefangen. Solch ein Feedback sind für mich und meine Arbeitweise natürlich das größtmögliche Kompliment, und ich habe ich natürlich “Ja” gesagt. So ging es dann im Oktober nach Budapest, für meine erste Hochzeitsreportage im Ausland. Ich war zwar schon mal in einem anderen Land, um eine Hochzeit zu fotografieren, genauer gesagt im Salzburger Land, aber das ist für Münchner kein Ausland. Sondern ein ein alpines Tagesausflugsziel in der näheren Umgebung…

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs über die Hochzeitsbranche: Sobald Hochzeitsfotografen einmal im Ausland gebucht wurden, geben sie sich meist aus Marketinggründen den Titel “Destination Wedding Photographer”. Das “destination” ist die Kurzform für “tourist/vacation destination”. Dieser Titel signalisiert dann potentiellen Hochzeitspaaren die Bereitschaft des Fotografen, auch außerhalb der heimatlichen Gefilde (bis wohin die sich auch immer erstrecken mögen), an besonderen und oft auch exotischen “destinations” Hochzeiten zu fotografieren.
Ich selbst bin ja kein Hochzeitsfotograf, denn ich arbeite dokumentarisch. Und so rätsele beim Schreiben dieser Zeilen immer noch, wie in meinem Fall dieser schmückende Titel, der meine Reisebereitschaft ins Entfernte und auch Exotische signalisiert, aussehen könnte. Erster Versuch: “Destination Not Wedding Photographer”, zu deutsch “Touristen-/Urlaubsziel-, kein Hochzeitsfotograf”. Würde heißen: Ich fotografiere Reiseziele, keine Hochzeiten. Funktioniert schon einmal nicht. Zweiter Versuch: “Destination Documentary Photographer”. Würde bedeuten: “Ich fotografiere Touristenziele, dokumentarisch”. Klingt anders, aber nicht besser, und kommt inhaltlich dem ersten Versuch gleich. Und “Documentary Photographer Available to Shoot Weddings in Tourist/Vacation Destination Places Abroad Where People Travel to Get Married” trifft es zwar ganz gut, ist aber einfach viel zu lang. Ich gebe die Titelsuche hier mal auf, verzichte auf dieses Etikett und wende mich lieber wieder dem Wichtigen, der Feier von Diana und Michael in Budapest zu…

Und die war mal richtig gut! Gefeiert wurde direkt an der Donau, im eleganten Gresham Palace Hotel am östlichen Ende der berühmten Budapester Kettenbrücke. Nach den Vorbereitungen des Hochzeitspaares begann der offizielle Teil der Feier mit der Trauungszeremonie am späten Nachmittag. Die unkonventionellen, humorvollen Ehebekenntnisse (à la: “…und so werde ich darüber hinwegsehen, wenn ich die Fernbedienung des Fernsehers nicht finde, weil sie mal wieder nicht am ihrem vorgesehenen Ort abgelegt wurde.”) waren der Startschuß für ein rauschendes Fest. Die international zusammengewürfelte Hochzeitsgesellschaft ließ das Brautpaar direkt nach der Zeremonie und auf der anschließenden Feier entsprechend hochleben. Nicht nur mit diversen Reden, sondern auch mit den vielen Tanzbeinen, die schon zwischen den Menügängen geschwungen wurden. Nach dem Essen ging die Feier dann richtig steil, und auch weit bis nach Mitternacht.
Ich fiel dann auch spät irgendwann mal in mein Hotelbett. Total platt, noch von der Feier beraucht, vor allem aber sehr dankbar für die Möglichkeit und das Vertrauen, solche Feiern wie die von Diana und Michael dokumentieren zu dürfen. In der Ferne, weitab der Heimat. Auch wenn ich kein “Destination Wedding Photographer” bin, sondern ein – wie es internationally speaking heißen könnte, aber halt viel zu lang ist – “Documentary Photographer Available to Shoot…”